Immer vorwärts!
Silbermond im Interview
Wenn sich jemand mit Veränderung auskennt, dann Silbermond: Als Schülerband aus dem beschaulichen Bautzen spielten sie sich jahrelang durch die Jugendzentren, ehe ihnen mit "Verschwende deine Zeit" der große Durchbruch gelang. Heute leben sie in Berlin und gehören zu den erfolgreichsten Popstars der Republik.
PRINZ: Als ihr eure Heimat Bautzen verlassen habt, um nach Berlin zu gehen, hattet ihr Angst vor dem Risiko?
STEFFI KLOSS: Wir wollten damals einfach nur Musik machen und gucken, was passiert. Am Anfang sind wir gependelt: Montag früh sind wir immer mit einem kleinen Nissan Micra, Baujahr '91, nach Berlin geschippert und haben dort in einer Jugendherberge übernachtet. Zwei Doppelstockbetten auf dem Zimmer, das Klo auf dem Gang. Das war schon eine heftige Zeit.
THOMAS STOLLE: Ich weiß noch, wie wir zum ersten Mal in einem Profi-Studio waren und eine Riesenangst hatten. Nowi (Drummer Andreas Nowak) war vorgefahren, und wir haben ihn ganz ehrfürchtig angerufen: "Und? Hat alles geklappt?" Er hat nur ganz locker gesagt: "Ja, hab zweimal gespielt, alles cool!" Wir sind dann hingefahren - und es war tatsächlich alles ganz locker!
PRINZ: Viele Menschen schrecken davor zurück, ihre Träume zu verwirklichen - wie erklärt ihr euch das?
STEFFI: Ich weiß genau, was du meinst: Je älter man wird, desto größer wird auch die Angst vor Veränderung - weil sie die Gefahr birgt, dass du plötzlich weniger in der Hand hast als vorher. Wer Großes riskiert, kann auch Großes erreichen, aber das beinhaltet auch immer dieses Risiko.
THOMAS: Bei uns ging es im Alter von 20 los: Die erste Platte war gleich ein Erfolg, und auf einmal darfst du die nächste Platte machen - beziehungsweise du musst so schnell wie möglich nachlegen. Aber so ist das Leben: Den Punkt, an dem wirklich alles cool ist, den kann man gar nicht erreichen.
PRINZ: Ein Problem, das nicht nur Popstars kennen!
STEFFI: Eine Freundin von mir hat drei Jahre studiert und steht gerade vor ihrem Abschluss. Und jetzt merkt sie plötzlich, dass das gar nichts für sie ist - und ich weiß gar nicht, was ich ihr raten soll. Einerseits muss man den Mut haben, auf sein Herz zu hören und nicht zu viele Jahre ins Land gehen zu lassen. Andererseits hast du ein Leben lang Zeit, um glücklich zu sein oder zu werden. Es ist nie zu spät.
PRINZ: Wie lautet euer eigenes Rezept gegen Stillstand?
STEFFI: Wir hatten beim dritten Album eine kleine Krise - wir wussten nicht weiter. Irgendwann haben wir gemerkt, dass wir völlig festgefahren waren, weil wir ständig überlegt haben, was die Leute von uns denken ...
PRINZ: ... und was sie von euch erwarten ...
STEFFI: ... also haben wir auf unser Bauchgefühl gehört und gesagt: Scheiß drauf. Das ist unser Risiko als Band: die Gefahr, dass die Leute unsere Bauchentscheidung nicht nachempfinden können - und die Chance, dass sie spüren, wie viel Herz in einer Platte steckt.
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