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"Es wird Nacht, Señorita ..." Schlagerbarde Udo Jürgens, der alte Schwerenöter, hätte hier bestimmt auch seinen Spaß gehabt. Pulks von attraktiven Chicas und Chicos schlendern in bester Feier- und Flirtlaune durch die enge Altstadtgasse. Vor jedem dritten Haus eine Menschentraube, hinter der sich ein Eingang verbirgt - entweder zu einer Bar oder einem Club. Die autofreie Calle Huertas nahe der Plaza Santa Ana ist Madrids Partymeile Nummer eins. Wer die Location wechseln will, wird meist schon auf der anderen Straßenseite fündig. Die Auswahl an Bars, Clubs, Salsa-Schuppen und Kneipen mit Livemusik ist beeindruckend. Für Fans von authentischen Latino-Sounds, die sich gern von Brasilianerinnen Cocktails mixen lassen und mit dem ebenso attraktiven Publikum auf Tuchfühlung gehen, lohnt ein Abstecher ins La Lupe (Calle Huertas 51). Die kleine Musikkneipe ist besonders am Wochenende gerammelt voll und die Stimmung entsprechend. Apropos Menschentrauben - hier steht keiner an, sondern nur zum Vergnügen herum. Die Madrilenen feiern am liebsten auf der Straße, denn da kann man besser mit Leuten quatschen, neue Leute kennen lernen, flirten, was das Zeug hält - und natürlich seinen Copa trinken. Das traditionelle Rum-Mixgetränk (Rum, Eiswürfel, ein paar Spritzer Cola) ist der Top-Nightlife-Drink. Ausgehen in der Calle Huertas ist lässig, ebenso wie die vorherrschende Kleidung. Nur vor den Clubs gibt's Türsteher, die vor allem auf adäquates Schuhwerk achten (Merke: keine Schuhe, keine Competition!). Schluss mit lässig ist etwa ab Mitte Mai, wenn die Touristen in Madrid einfallen. "Dann geht's in der Calle Huertas zu wie beim Karneval in Rio", warnt Lee Cervantes, unser Madrid-Guide.
Die beste Reisezeit für Madrid ist ohnehin April, wenn es abends auf den Straßen bereits warm ist - oder der Spätherbst. "Aber natürlich kann man auch im Sommer in Madrid entspannt ausgehen", beruhigt der Marketingstudent, der seinen Namensmix einer amerikanischen Mutter und einem spanischen Vater verdankt. Lee findet seine persönliche "Copa-Cabana" dann ein paar Straßenzüge weiter in den vielen Bars abseits des überlaufenen Hauptstadtzentrums. Absolut im Trend sind laut Lee übrigens Copa-Bars mit kleiner Tanzfläche, die in Madrid gerade wie Pilze aus dem Boden schießen. Spanier gehen bekanntlich spät aus. Auch in der Calle Huertas braucht man sich vor Mitternacht gar nicht blicken zu lassen, kann dann aber problemlos bis morgens um sieben durchfeiern. Wie verkraftet der junge Madrilene das eigentlich konditionell? Antwort: Er strapaziert sich tagsüber nicht so stark. Zwischen acht und neun Uhr morgens beginnt in Madrid der Arbeitstag. Zwischen zehn und halb elf geht's dann aber erst mal gemütlich zum Frühstück in die Eckkneipe. Barrita con tomate (geröstetes Baguette mit pürierter Tomate, Olivenöl und Salz) heißt einer der beliebtesten Frühstücks- Snacks. Zwischen zwei und vier Uhr, zur besten Siesta-Zeit, macht der werktätige Madrilene eine Stunde Mittagspause und isst eine Kleinigkeit im Restaurant um die Ecke. Ab 18 Uhr beginnt der Feierabend. "Im Vergleich zu Deutschland arbeitet man zwar etwas länger, aber viel, viel entspannter", verrät Meike Oermann, die seit zwei Jahren in einer Eventagentur in Madrid arbeitet. "Während der Arbeitszeit wird wahnsinnig viel gequatscht, hauptsächlich über Privates."
Nach Büroschluss geht's direkt zum Feierabend- Bierchen mit ein paar Tapas ins Viertel. Wie von Zauberhand füllen sich zwischen 19 und 22 Uhr viele Plätze und Gassen, was Madrids Charme ausmacht. Freitag und Samstag sind die bevorzugten Ausgehtage. "Da wird sich dann richtig aufgerüscht", so die Eventmanagerin, "vorherrschender Stil: sexy, sexy, sexy!" Erst ab 22 Uhr geht man zum Essen ins Restaurant. Danach heißt es: geselliges Vorglühen in der Copa-Bar des Vertrauens, und ab zwei dann in den Club zum Tanzen - zum Beispiel in den schicken Palacio Gaviria in einem wunderschönen alten Stadtpalast. Meike Oermann: "Vor sechs Uhr morgens ist die Nacht selten zu Ende." "Madrid me mata", lautete daher viele Jahre der Slogan des Stadt-Marketings - auf Deutsch: "Madrid bringt mich um!"
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Madrid: Eine Stadt mit regem Partyleben
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