Balanceakt zwischen TV-Serie und Kultur
Ein Gespräch mit ... Moritz A. Sachs
Als Klaus Beimer kennen Lindenstraßen-Zuschauer ihn seit über 25 Jahren. In diesem Frühjahr tanzte Moritz A. Sachs (33) durch die Fernsehshow "Let's Dance". Jetzt organisiert er auch noch das Kurzfilmfestival "shnit" in Köln
Hier am Volksgarten bist du aufgewachsen und als Kind fürs Fernsehen entdeckt worden. Bist du heute noch manchmal hier?
Ab und an treffe ich hier Freunde zum Grillen. Dann fühle ich mich noch immer sehr wohl, auch weil der Volksgarten so klein geworden ist - als Kind wirkte der ja so viel größer.
Du warst damals eines der wenigen Fernsehkinder, die regelmäßig zu sehen waren. Hat man dich oft auf der Straße erkannt?
Oh ja, damals mehr als heute, bei 14 Millionen Zuschauern, die wir hatten. Da war nicht mehr so viel mit Bewegungsfreiheit. Ich wollte aber immer weitermachen, trotz Hänseleien hat mir das einfach zu viel Spaß gebracht.
Würdest du heute manchmal gerne öfter erkannt werden?
Das gibt es ja auch noch, dass ich als Klaus angesprochen werde, aber eben auch Momente, in denen man lieber in Ruhe gelassen werden will, wenn ich ein Buch in der Straßenbahn lese oder mit Freunden im Biergarten sitze. Aber wenn man angesprochen wird, kann das ja auch sehr nett sein - gerade in Köln, wo es ja zum Alltag gehört, jemanden aus dem Fernsehen zu sehen.
Würdest du gerne mal andere Rollen als den Klaus Beimer spielen?
Ein paar Sachen habe ich ja schon gemacht, aber das ist wegen der Dauerpräsenz in der Rolle schwierig, sodass ich lieber hinter der Kamera arbeite.
Wie waren die Erfahrungen dieses Frühjahr bei "Let's Dance?
Das hat mir einen Riesenspaß gemacht. Ich hab' immer gern getanzt, war auch mal in der Tanzschule Pollheim am Alter Markt. Aber es ist natürlich etwas anderes, wenn dir eine Profitrainerin neun Stunden am Tag den richtigen Dreh gibt. Maite und ich hatten auch die meisten Trainingsstunden (lacht).
Habt ihr euch gut verstanden?
Ja sehr, und das war einfach eine schöne Zeit: Du machst Sport, hast die Gelegenheit, was zu lernen. Die Sendungen waren ein Riesenkick, weil das live ist. Da ist ja auch viel Überwindung dabei, und da habe ich eine Seite gezeigt, die man von mir bisher nicht kannte.
Momentan sanierst du ein Haus, und nun organisierst du auch noch ein Kurzfilmfestival - viel zu tun, oder?
Für das Jahr bin kräftemäßig ausgelastet. In der Lindenstraße habe ich in den letzten drei Jahren zwei feste Drehtage die Woche. Dazu passt der ehrenamtliche Job beim shnit Filmfestival aber ganz gut.
Wie kam es zur Zusammenarbeit?
2008 saß ich in Bern in der Jury, da war ich vom Programm und Festival sehr begeistert. Die Haltung zum Kurzfilm dort - etwas weg vom Kunstding, mehr zur Unterhaltung - hat mir sehr gut gefallen. Dann entstand gemeinsam die Idee, das auch in anderen Städten zu machen, und ich habe das 2009 für Köln übernommen.
Schaust du dir alle eingereichten Filme an?
Nein, wir sichten ja 4 000 Filme in vier Wochen, und aus etwa 300 stricken wir das Programm. Meistens komme ich erst beim Festival dazu, alles zu sehen.
Viele Kreative ziehen in die Hauptstadt. Warum bleibt ihr Köln treu?
Sten: Köln ist eben nicht Berlin, sonder so unspektakulär sympathisch ... Suzie: ... lässig ... Sten: ... unanstrengend ... Suzie: ... offen, tolerant!
Was erwartet uns in diesem Jahr?
Das Schönste an "shnit" ist für mich die Kombination aus Unterhaltung und Gesamtevent. Neben dem Programm, darunter auch das "Kölsche Gedeck" mit Kölner Kurzfilmen, trifft man sich abends auf einer Party, am Sonntag vergeben wir die Preise. Und außerdem produzieren wir auch während des Festivals Kurzfilme, das ist schon einmalig für ein solches Event.
Das Gespräch führte Martin Steuer






