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Mehr als nur ein Fußballverein

Ein Gespräch mit ... Rainer Mendel

Er ist das Bindeglied zwischen Verein und Fans, zwischen Spielern und der Kurve: Rainer Mendel (47) ist Fanbeauftragter des 1. FC Köln, ein vielbeschäftigter Mann mit 60-Stunden-Woche, und - er liebt seinen Job!


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Herr Mendel, macht es noch Spaß, an so einem geschichtsträchtigen Ort wie dem Geißbockheim zu arbeiten, oder hat es dadurch an Glanz verloren?
Ich bin von Kindesbeinen an Fan des FC und hatte das Glück, mein Hobby zum Beruf zu machen. Ich komme jeden Tag mit Freude hierher. Ich verbringe hier mehr Zeit als zuhause!

Seit wann sind Sie Fanbeauftragter, und wie kamen Sie dazu?
Bei der Mitgliederversammlung 1988 habe ich angesprochen, dass sich der FC zu wenig um die Fans kümmert. Danach fragte mich Michael Meier, ob ich Michael Trippel, der seinerzeit ehrenamtlicher Fanbeauftragter war, bei seiner Arbeit unterstützen möchte. Damit habe ich 1989 angefangen und bin seit 1997 fest beim FC angestellt.

Welche Ihrer Aufgaben nimmt die meiste Zeit in Anspruch?
Die Bürotätigkeiten. Aber es gibt auch viele Veranstaltungen und Mitgliederstammtische. Ich bin auch oft unterwegs und reise zu den Fanclubs. Außerdem bin ich bei jedem Spiel dabei, auch auswärts.

Holger Stanislawski war neun Jahre lang Trainer des FC St. Pauli. Kann ihm diese Erfahrung mit den launischen und fanatischen Fans helfen?
Absolut! Das Schöne ist auch, dass der Trainer wirklich jeden beim FC mit ins Boot holt. Wir haben auf Initiative des Trainers alle zusammen Fußball gespielt und ein Grillfest mit allen Mitarbeitern gefeiert. Vom Typ her und von seinen Erfahrungen aus St. Pauli passt der Trainer perfekt hierhin.

Wie sehen Sie die Fan-Szene in Köln im Vergleich zu anderen Städten?
Es fasziniert mich, dass die Fans immer hinter dem Verein stehen. Auch nach dem fünften Abstieg halten sie uns die Treue, die Mitgliederzahlen sind konstant. Der FC ist mehr als ein Fußballverein, bei dem es nur um die Deutsche Meisterschaft geht.

Was muss die Wilde Horde tun, um ernst genommen zu werden und nicht nur der Sündenbock zu sein?
Sie müssen aus der Anonymität heraustreten und den Dialog suchen, zu uns, den anderen Fans und den Mitgliedern, die nun mal "anders" sind. Aber wir spüren eine Tendenz, dass es die Bereitschaft gibt, offener zu sein und den Diskurs zu suchen. Wir freuen uns darüber und begleiten das natürlich, aber es ist ein längerer Prozess.

Die Fan-Unruhen häufen sich wieder etwas. Könnte ein Alkoholverbot in den Stadien daran etwas ändern?
Es mag Hochsicherheitsspiele geben, wie bei uns gegen Borussia Mönchengladbach, bei denen es im Stadionbereich keinen Alkohol gibt. Im Stadionumfeld hingegen gibt es zig Kneipen, da findet die Druckbetankung statt, von daher wäre ein generelles Alkoholverbot im Stadion Humbug.

Was sind Ihre Prognosen? Gelingt der direkte Wiederaufstieg, und kann Poldis Abgang kompensiert werden?
Der Abgang von Lukas hat die Fanseele getroffen, viele konnten den Wechsel aber nachvollziehen. Der komplette Neuanfang bietet aber viele Chancen. Ich bin optimistisch und auch vom Trainerteam restlos überzeugt, dass die das hinbekommen. Entscheidend wird sein, wie man in die neue Saison reinkommt. Wenn wir den Aufstieg im ersten Jahr nicht schaffen, die Fans aber merken, dass die Spieler kämpfen und alles versuchen, ist das in Ordnung.

Das Gespräch führte Dieter Reindt


Rainer Mendel wurde schon als Kind in Kall-Keldenich in der Eifel von seinem Vater und seinem Bruder auf den 1. FC Köln eingeschworen. Die hatten damit Erfolg: Für ihn gab es kein Zurück mehr. Seit 1989 ist er in Diensten des Vereins unterwegs und kümmert sich mit seinem mittlerweile achtköpfigen Team um 55 000 Vereinsmitglieder und 1 200 Fanclubs - eine echte Herkulesaufgabe. Er wohnt zwar in Euskirchen, das er seine "Oase" nennt, ist aber die meiste Zeit im Geißbockheim oder auf Reisen für den Verein. Selbst hat er auch Fußball gespielt, kam aber mit seinem Heimatverein FC Keldenich nie über die Kreisliga B hinaus.
 
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