Das Interview im Hemmer
Ein Mittagessen mit ... Michel Birbæk
Michel Birbæk und die Frauen - ein schier unerschöpfliches Thema und eines, mit dem er obendrein Geld verdient: als Kolumnist, Comedian, Gagschreiber, Drehbuchautor und Roman-Schriftsteller.
Stephan Fengler
Vier Romane hat Birbæk bisher veröffentlicht und bis auf den aktuellen, "Nele & Paul", sind alle autobiografischer geraten, als ihm lieb ist.
Ein windiger, nasskalter Februartag: Wir sitzen glücklicherweise im Warmen, hinter einem großen Fenster im Hemmer mit Blick auf die Subbelrather Straße. Hier ist Michel Birbæk oft, weil "das Essen echt geil und dazu supergünstig ist", schwärmt er. Klar, der Mann kennt sich aus. Schließlich wohnt er seit ewigen Zeiten in Ehrenfeld. Unser Mittagessen entpuppt sich als Frühstück: Kurz nach 12 Uhr ist für einen Schriftsteller, der gerade eine Nachtschreibephase hat, noch ziemlich früh am Tag. Michel bestellt sich ein englisches Frühstück mit Spiegeleiern, Bacon und Bratwürstchen, dazu Kaffee. Er wirkt kein bisschen übernächtigt, eher hellwach, charmant und gut gelaunt. "Gestern abend", sprudelt es aus ihm heraus, "wollte ich spontan eine Party zum Erscheinungstermin meines neuen Romans machen, aber daraus wurde nichts. Viele meiner Freunde haben Kinder, wichtige Termine oder beides; andere sind irgendwo auf der Welt verstreut. Meine alte Clique gibt es eigentlich gar nicht mehr. Da steht man als Freiberufler ohne Kinder eben manchmal alleine da." Das klingt ein bisschen traurig, aber auch ehrlich. Sein nächstes Buch wird daher das Thema "Clique" aufgreifen - er muss es bloß noch schreiben.
Vier Romane hat Birbæk bisher veröffentlicht und bis auf den aktuellen, "Nele & Paul", sind alle autobiografischer geraten, als ihm lieb ist. Sein Thema: die Frauen. Beziehungsweise Beziehungen. Eine unerschöpfliche Ressource, auch für zahlreiche Kolumnen, die der smarte Däne in über zehn Jahren verfasst hat. Einige sind unter dem Titel "Frauengeschichten" Ende 2008 als Hörbuch erschienen. Mit scharfem Blick auf menschliches Paarungsverhalten beschreibt er die Widrigkeiten des zwischengeschlechtlichen Alltags und findet dafür schöne, treffende Worte: komisch, aber zugleich niveauvoll, weil sich in den Texten intelligenter Sprachwitz mit Tiefgang paart. Der Entertainment-Faktor steigt, wenn der Frauenflüsterer die Doppelstunde Beziehungskunde live abhält. "Sit-Down-Comedy" nennt sich das dann, eine Mischung aus Lesung und Comedy (zum Vormerken: 29.4., Stadtgarten). "Sit-Down" ist dabei wörtlich zu verstehen, denn er setzt sich hin und liest, liest aber nicht nur ab, sondern interagiert und flirtet mit dem Publikum. Ob Pärchen oder Single - jeder erkennt sich dabei selbst, und des Öfteren muss man sich verkneifen, laut "ja, genau!" zu rufen. Gelebte Erkenntnisse eben. Diese hat sich Michel Birbæk in etlichen Lebenslektionen hart erarbeitet, aber auch daraus gelernt. "Meine Ex-Frauen lieben mich alle. Denn ich habe immer hinter mir aufgeräumt"!
Moni Hagenmayer ist Redakteurin bei PRINZ Köln und hat sich vom schreibenden Dänen ganz schön um den Finger wickeln lassen. Mit Michel Birbæk war sie Mittagessen im: Hemmer, Subbelrather Str. 154, Ehrenfeld,Tel. 52 19 99, tgl. ab 11 Uhr, NR, hemmer-koeln.de






