Im August steigt zum sechsten Mal die c/o pop. PRINZ traf sich vorab im Café Sehnsucht mit Ralph H. Christoph, Mitbegründer des Kölner Innenstadt-Festivals, um bei einem schnellen Lunch den Stand der Dinge zu erörtern.
Robert Enneper
"Wir versuchen ja eher, neue, interessante Bands zu finden", erklärt Ralph H. Christoph.
Regen, Sonne, Regen. Das Wetter kann sich überhaupt nicht entscheiden. Zum Glück sind es vom neuen Domizil der c/o pop im 4711-Haus an der Venloer Straße nur ein paar Blocks zum Wintergarten des Café Sehnsucht, wo wir uns mit Ralph Christoph verabredet haben. Der strategische Leiter des Kölner Innenstadt-Festivals nutzt unser Treffen zwischen zwei Meetings für ein schnelles, gesundes und leckeres Mittagessen - dem hier beliebten "5er-Lunch" (ein täglich wechselndes Gericht für fünf Euro, in fünf Minuten auf dem Tisch) sei Dank. Ralph Christoph hat das Kultur- und Nachtleben unserer Stadt bereits auf die verschiedensten Arten bereichert, ob nun als Redakteur, Clubmacher, Veranstalter oder eben seit 2004 mit dem Festival c/o pop, das damals die nach Berlin verzogene Popkomm ersetzen sollte. Inzwischen hat sich gezeigt, dass c/o pop einen ganz eigenen Charakter entwickelt und damit die Vergleiche längst nicht mehr nötig hat, wie Christoph betont: "Eine der Lehren aus der Popkomm war ja, dass man die heimische Szene einbinden muss, was wir von Anfang an getan haben."
So hat sich die c/o pop inzwischen als europaweit anerkanntes Innenstadt-Festival etabliert, das seinem Trüffelschwein-Charakter nach wie vor alle Ehre macht: "Wir versuchen ja eher, neue, interessante Bands zu finden, die im Rahmen unserer finanziellen Möglichkeiten liegen. The Whitest Boy Alive ist ein schönes Beispiel: Sie hatten ja ihr allererstes Konzert 2004 bei uns. Danach haben sie sich erst mal wieder aufgelöst, inzwischen sind sie eine sehr angesagte Band und kommen nun wieder zu uns." Es ist gar nicht so einfach, in Zeiten der vielbeschworenen Krise Acts und Bands zu buchen, die interessant sind und zugleich ein volles Haus garantieren. Zumal auch die Sponsoren zurückhaltender geworden sind: "Zum Glück sind wir nicht auf Gedeih und Verderb auf Gelder aus der Industrie angewiesen. Aber klar, zurzeit fällt nichts vom Himmel." Dafür findet die c/o pop dieses Jahr erstmals in honorigen Kölner Spielorten wie dem Schauspielhaus oder der Philharmonie statt - auch eine Art Würdigung. Ralph Christoph sieht das etwas anders: "Das sind ja auch klare Signale, die wir da aussenden: Die Tempel der Hochkultur, die hat die Stadt - und das, was wir so brauchen, hat sie halt eigentlich nicht. Ich weiß nicht, ob das den Leuten so bewusst ist, aber wenn demnächst Oper und Schauspielhaus umziehen, dann fällt etwa das Palladium als Spielort weg, da wird so manches große Konzert an Köln vorbeirauschen." Apropos Rauschen: Der Regen hat aufgehört. Das nächste Meeting wartet.
Daniel Giebel ist freier Autor bei PRINZ Köln und freut sich schon auf das Set von Goldie Locks bei der c/o pop. Mit Ralph H. Christoph war er Mittagessen im: Café Sehnsucht, Körnerstr. 67, Ehrenfeld,Tel. 52 83 47, Mo-Fr 8-1, Sa/So 9-1 Uhr, sehnsucht-koeln.de
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